Rohrenfels
Mariä Heimsuchung

H. Koulen/ Augsburg - 1917 - II+P/18

Romantische Koulen-Membranenladen-Orgel Prospekt

Heinrich Koulen/ Augsburg - 1917 - II+P/18

Reinigung/ Renovierung April/Mai 2026

Orgelrestaurierung Pfeifenwerk Koulen Membranenlade Orgelrestaurierung Pfeifenwerk Koulen Membranenlade Orgelrestaurierung Pfeifenwerk Koulen Membranenlade

Klang & Intonation

Klanglich zeigt sich das romantische Orgelwerk mit einer für Koulen typischen Disposition. Das leise Register Dolce 8′ vermittelt zarte, weiche Töne, die durch die Flöte 8′ klanglich abgerundet werden. Prinzipal 8′ und Oktave4′ tragen im I. Manual zu einem füllenden und ausgewogenen Plenum bei. Im gut ausgestatteten II. Manual finden sich charakteristische romantische Klangfarben: Gedeckt 8′ als grundierendes Register, Salicional 8′ als farbgebender Streicher und Vox coelestis 8′ als zartes Schwebungsregister. Abgerundet wird das Schwellwerk durch die warm klingende Flöte 4′ sowie die farblichen Spitzen Quinte 2 2/3′ und Terz 1 3/5′. Das Piccolo 2′, eine typisch überblasende Flöte, setzt einen feinen Akzent im höherliegenden Bereich.
Im Pedal sorgt der Subbass 16′ für das nötige klangliche Fundament und wird von Cello 8‘ gefärbt. Für eine zurückhaltende Begleitung kann der Subbass mithilfe einer Windabschwächung dezent eingesetzt werden.
Die ursprüngliche Intonationsweise der Orgel wurde beibehalten. Die einzelnen Register wurden jedoch in Klangcharakter, Ansprache und Lautstärke ausgeglichen. Das gesamte Werk wurde auf gleichstufige Temperatur gestimmt, mit einem Stimmton von a¹ = 432 Hz bei einer Raumtemperatur von 15°C. Das Instrument ist also recht tief eingestimmt worden.

Pfeifenwerk

Die Prospektpfeifen wurden vorsichtig und schonend gereinigt, die Dellen ausgebessert und die Bärte geradegebogen. Die Rasterstifte wurden zur Reduzierung von Resonanzgeräuschen mit reversiblen Gummihülsen versehen. Ebenso wurden durchgehend in die Stimmrollen ein Gummituchgewebe eingearbeitet, um dort ebenfalls Resonanzen zu minimieren
Das Metallpfeifenwerk wurde sorgfältig gereinigt. Die Kernspalten wurden gepinselt und gebürstet, die Pfeifenkörper außen feucht abgewischt. Die Pfeifenkörper wurden geradegerichtet und ausgebeult, sowie die Rasterung der Pfeifen angepasst. Die Stimmrollen wurden generell überprüft, repariert und teilweise mit Gummitucheinlagen ausgestattet, um Resonanzgeräusche zu minimieren. Die Seiten- und Streicherbärte wurden kontrolliert und bei Bedarf wieder gerichtet.
Die Holzpfeifen wurden im Rahmen der Reinigung mit Schimmelmittel behandelt. Die Kerne und Vorschläge wurden gebürstet und gepinselt, die Körper feucht abgewischt. Die Spundbelederung wurde überprüft, bei Bedarf erneuert und mit Talkumpuder behandelt. Die vernagelten Pfeifenkörper wurden überprüft und teilweise neu verleimt. Die Einstellung der Lautstärke erfolgt an den Pfeifenfüßen über kleine Holzspalten oder über große Eisenschrauben, welche im Fuß die Luftzufuhr regulieren. Die Stimmbleche der offenen Holzpfeifen wurden sauber ausgerichtet und bei Bedarf zur Resonanzminimierung ebenfalls mit Lederstreifen unterlegt.

Orgelrestaurierung Koulen Membranenlade Orgelrestaurierung WindladeKoulen Membranenlade

Windlade - Membranenlade

Die Windladen und das Rasterwerk wurden abgesaugt und feucht gewischt. Die Stöcke wurden ausgesaugt und gewischt. Die Filze an den Auslassbohrungen wurden teilweise erneuert und die Federn neu eingestellt. Auch die Auslassventile an den Stockunterseiten wurden geprüft und, wo nötig, wieder gangbar gemacht, damit Fehlwinde in den Registerkanzellen entweichen können. Einige Stockschrauben mussten erneuert werden, da die alten entweder nicht mehr richtig gezogen haben oder bereits stark verrostet waren. Die Lederabdichtung zwischen Stock und Windlade wurde bei Bedarf aufgebürstet. Risse in den Kanzellen wurden nicht festgestellt. Einige der Raster mussten neu verleimt und die teilweise verwurmten Zapfen erneuert werden.

Spielpneumatik

Die Tonmembranen aus weißem Spaltleder befinden sich in einem sehr guten Zustand und wurden nur bei Bedarf mit Lederpflegemittel auf Ölbasis behandelt und geschmeidig gemacht. Bereits im Jahre 2000 wurden die Taschen mit einer weißen Lederpflegeflüssigkeit behandelt, welche nach wie vor gute Ergebnisse zeigt. Neben den weißen Spaltledermembranen wurde auch braunes Spaltleder verwendet; eventuell wurden diese nachträglich eingebaut. Die Lederscheiben auf den Kegelstutzen der Stockunterseiten wurden überprüft, vorsichtig aufgebürstet und einige von ihnen durch neue Lederscheiben ersetzt. Teilweise waren die alten Scheiben mit sehr dünnem Rand ausgestanzt, was ein erhöhtes Heulerrisiko zur Folge hatte. Die Tellerventile an den Relais sind ebenfalls in einem guten Zustand, nicht porös oder rissig, und konnten daher beibehalten werden. Aufgrund der teilweise stark verrosteten Madenschrauben zur Regulierung der Tonrepetition wurden diese in allen Werken komplett erneuert, mit Bienenwachs eingedreht und neu einreguliert. Die Tonrepetition wurde so eingestellt, dass die einzelnen Manuale möglichst schnell laufen, jedoch auch im Koppelbetrieb keine Heuler oder Durchstecher auftreten. Bauartbedingt ist dieses System beim Zuschalten der zahlreichen Koppeln etwas langsamer. Abgeknickte Bleirohre wurden geradegerichtet, alle Verklebungen geprüft und gegebenenfalls mit Gummi arabicum frisch eingeklebt, um eine einwandfreie Dichtheit zu gewährleisten. Die Verrohrung wurde zudem an einigen Stellen zusätzlich aufgehängt. Die Blei- und Kunststoffrohre zu der aufgebänkten Koppelwindlade wurden wieder sauber eingeleimt.

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Spieltisch & Registereinschaltung

Der Spieltisch wurde gereinigt, die verschmutzten Tasten gesäubert und die Führungsstifte etwas nachreguliert. Im II. Manual wurde der Tastentiefgang mit dem Hinzufügen von Filzscheiben an den Führungsstiften reduziert und dem I. Manual angeglichen. Die Schrauben an Spieltischdeckel und Rückwand wurden vereinheitlicht. Die Bleirohre wurden nachgebogen und geradegerichtet sowie gegebenenfalls neu eingeklebt. Die verbrauchten Obertasten der Pedalklaviatur wurden nachgeschwärzt und die Federn nachgezogen. Die Stecher, welche das Pedal und die Pedalkoppeln ansteuern, wurden überprüft und einreguliert. Wegen des erhöhten Brandrisikos wurde die Klaviaturheizung entfernt.
Die Apparate der Registereinschaltung wurden komplett ausgebaut und in der Werkstatt umfassend überarbeitet. Das Gummituch der Registerbälgchen wurde im Pedal und Schwellwerk erneuert. Im Hauptwerk wurden die Bälgchen wohl im Jahre 2000 bereits durch eine Art Polypel-Stoff erneuert. Diese mussten daher nicht neu bezogen werden. Die Spaltlederscheiben des Einschaltrelais wurden ausgetauscht und neu einreguliert. Die Lederdichtung an den breiten Holzventilen selbst wurde ebenfalls erneuert. Der Umschaltapparat für die Register wurde ebenfalls komplett restauriert, indem alle Spaltlederscheiben und die Ventilscheiben der Doppelventile erneuert wurden. Der Gang wurde neu eingestellt und die blaue Papierung ebenfalls erneuert. Anstatt der verrosteten Eisenschrauben wurden neue Edelstahl-Madenschrauben eingebaut und das System einreguliert. Die Stärke der Ventil-Federn wurden so eingestellt, dass die Ventile aufgehen, aber noch eine sichere Funktion gewährleisten. Die alten Kunststoffschläuche wurden entfernt, durch Bleirohre ersetzt und mit Gummi arabicum frisch eingeklebt. Die längeren Kunststoffschläuche wurden beibehalten.

Disposition

I. Manual C-f³
Principal 8'
Flöte 8'
Gamba 8'
Quintatön 8'
Gemshorn 8'
Dolce 8'
Oktave 4'
II. Manual C-f³ = Schwellwerk
Salizional 8'
Aeoline 8'
Liebl. Gedeckt 8'
Geigen-Prinzipal 8'
Flöte 4'
Quinte 2 2/3'
Piccolo 2'
Terzflöte 1 3/5'
Pedal C-d'
Subbass 16'
Zartbass 16'
Cello 8'
Koppeln & Spielhilfen
II-I, I-P, II-P
Superoktavkoppel II-I (teilw. ausgebaut bis f4)
Suboktavkoppel II-I
Crescendotritt und Schwelltritt

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